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Mal ne Frage, Reader: Was genau ist heute anders als gestern? Die Sonne ist aufgegangen. Wie immer. Die Erde dreht sich weiter. Wie immer. Dein Kaffee schmeckt vermutlich genauso wie gestern. Vielleicht ein bisschen schlechter, weil du gestern Abend zu tief ins Glas geguckt hast. Aber ansonsten? Nichts. Heute ist der 1. Januar 2026. Gestern war der 31. Dezember 2025. Das einzige, was sich geändert hat, ist eine Zahl auf dem Kalender. Und trotzdem tun wir alle so, als wäre heute der Tag, an dem alles neu wird. Als würde heute irgendein magischer Schalter umgelegt. Als wären wir heute plötzlich andere Menschen – motivierter, disziplinierter, fokussierter – nur weil wir gestern Abend um Mitternacht „Frohes Neues!” gebrüllt haben. Spoiler: Sind wir nicht. Du bist heute der gleiche Mensch wie gestern. Mit den gleichen Macken. Den gleichen Ängsten. Den gleichen Ausreden. Und trotzdem. Trotzdem hat dieser Tag etwas an sich. Weil wir entschieden haben, dass er besonders ist. Wir haben uns kollektiv darauf geeinigt, dass heute ein guter Tag ist, um neu anzufangen. Und weißt du was? Das reicht. Zeit ist eine Illusion. Ein Konstrukt, das wir uns ausgedacht haben, um unser Leben zu organisieren. Sekunden. Minuten. Stunden. Tage. Jahre. Alles erfunden. Die Erde dreht sich. Die Sonne geht auf und unter. Das wars. Den Rest haben wir uns ausgedacht, weil wir Struktur brauchen. Weil wir Ankerpunkte brauchen. Weil wir Momente brauchen, an denen wir sagen können: „Ab hier läuft's anders.” Und genau deshalb funktioniert Neujahr. Weil wir glauben, dass heute irgendwie magisch ist. Und dieser Glaube? Der ist mächtig. Der gibt uns die Erlaubnis, Dinge anders zu machen. Der gibt uns den Mut, Scheiße loszulassen, auf die wir keinen Bock mehr haben. Der gibt uns die Hoffnung, dass wir es diesmal wirklich schaffen. Ob wir's dann tatsächlich schaffen? Andere Geschichte. Aber der Moment, in dem wir glauben, dass es möglich ist – der ist echt. Und der ist wertvoll. Deshalb wünsch ich dir heute NICHT, dass alles gut wird. Das ist Bullshit. Es wird nicht alles gut. Es wird nicht alles einfach. Es wird nicht alles so laufen, wie du's dir vorstellst. 2026 wird dir in den Arsch treten. Mehrfach. Garantiert. Es wird Tage geben, an denen du denkst: „Fuck, warum mach ich das eigentlich?” Es wird Projekte geben, die floppen. Es wird Kunden geben, die nerven. Es wird Momente geben, in denen du am liebsten alles hinschmeißen würdest. Und das ist okay. Weil das Leben halt so ist. Was ich dir stattdessen wünsche? Ich wünsch dir, dass du heute – an diesem konstruierten, illusorischen, komplett ausgedachten „besonderen Tag” – eine Entscheidung triffst. Eine kleine. Eine große. Egal. Hauptsache, du triffst sie. Und dann ziehst du sie durch. Die muss nicht Instagram-würdig perfekt und fehlerlos sein. Einfach nur...konsequent. Ich wünsch dir, dass du aufhörst, auf den perfekten Moment zu warten. Weil der sowieso nicht kommt. Ich wünsch dir, dass du aufhörst, dich mit anderen zu vergleichen. Weil die dir eh nur die Highlights zeigen, die du sehen sollst. Ich wünsch dir, dass du die Dinge machst, die dir wirklich wichtig sind. Und die Dinge sein lässt, die dir nur wichtig erscheinen, weil alle anderen sie machen. Ich wünsch dir, dass du mehr Geld verdienst. Aber nur, wenn du dabei nicht deine Seele verkaufst. Ich wünsch dir, dass du scheiterst. Weil Scheitern bedeutet, dass du's zumindest versucht hast. Und ich wünsch dir, dass du lachst. Über dich selbst. Über das ganze Chaos. Über die Absurdität, dass wir alle auf einem Stein durchs All fliegen und so tun, als hätten wir Ahnung, was wir hier eigentlich machen. Heute ist kein besonderer Tag, Reader. Aber du kannst ihn besonders machen. Weil du entscheidest, dass er es ist – und nicht, weil’s im Kalender steht. . In diesem Sinne: Frohes Neues. Und viel Erfolg mit all dem Scheiß, den du dir vorgenommen hast. Markus PS: Falls du dich fragst, was ich mir vorgenommen hab: Nichts. Ich hab keine Neujahrsvorsätze. Die funktionieren bei mir eh nicht. Stattdessen hab ich eine Liste mit Dingen, die ich 2026 anders machen will. Kleinere Dinge. Konkretere Dinge. Dinge, bei denen ich weiß, dass ich sie auch wirklich umsetzen kann. Ob ich's schaffe? Keine Ahnung. Aber ich versuch's. Und das ist mehr, als 90% der Leute machen, die heute mit ihren fancy Vorsätzen auf LinkedIn rumposieren. |