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Gestern Abend. Küche. Ich steh am Herd, rühre in irgendeinem Topf rum, und merke: Ich brauch Hilfe. Töchterchen sitzt keine fünf Meter entfernt auf dem Sofa. Sortiert ihre Bügelperlen. Nach Farben oder so. Ich ruf: „Töchterchen!" Nichts. Keine Reaktion. Als wäre ich Luft. Ich versuch's nochmal, diesmal lauter: „Töchterchen, kannst du mir bitte mal kurz helfen?" Immer noch nichts. Sie sortiert weiter. Lächelt, als sie die Perlen von links nach rechts – und wiedder zurück schubst. Die Welt um sie herum existiert nicht. Dafür bin ich jetzt leicht genervt. „TÖCHTERCHEN! HÖRST DU MICH?!" Nichts. Absolut gar nichts. Ich spür, wie mein Puls hochgeht. Nicht weil ich wütend bin – DOCH EIGENTLICH GENAU WEIL ICH UNFASSBAR WÜTEND bin langsam… Als würde ich gegen eine Wand reden. Was ist das immer mit den Frauen in meiner Familie… Und dann – weil ich in den letzten Jahren ein paar Dinge über Menschen gelernt hab – sage ich laut und völlig beiläufig: „Hm, ich glaub, ich hab noch Schokolade…” Keine zwei Sekunden später steht sie neben mir. Augen groß. Lächeln im Gesicht. Hand schon ausgestreckt. „Wo?" Was ist da gerade passiert? Ich hab drei Mal ihren Namen gerufen. Drei Mal. Und sie hat mich komplett ignoriert. Obwohl ich schon kurz davor, sogar ihren zweiten Vornamen zu benutzen. Aber ein einziges Wort – Schokolade – und plötzlich bin ich der interessanteste Menschder Welt für sie. Warum? Weil Namen scheißegal sind. Du hörst auch nicht auf deinen eigenen Namenl, wenn du gerade in was anderes vertieft bist. Aber „Schokolade"? Das ist kein Name, das ist ein Versprechen. Etwas, das sie will. Der Unterschied zwischen „vielleicht irgendwann mal" und „ICH BIN SCHON DA, PAPA." So traurig das für uns ale Eltern ist, Reader... Genau das machst du in deiner Copy auch. Du rufst deine Leser beim „Namen”. „Ich bin Copywriter und helfe dir, bessere Texte zu schreiben." „Unser Coaching unterstützt dich dabei, dein Business zu skalieren." „Wir bieten individuelle Lösungen für deine Herausforderungen." Das klingt professionell. Seriös. Korrekt – und es interessiert keine Sau. Weil du über DICH redest. Nicht über das, was SIE wollen. Menschen reagieren nicht auf „Ich helfe dir". Sie reagieren auf „Du kriegst endlich das, was du seit Wochen suchst". Ich könnte zum Beispiel schreiben: „Das Cashcow Copywriting Compendium ist ein eBook mit 76 Tipps für bessere Texte." Das ist so spannend wie ein Elternabend in der Grundschule. Das ist „Töchterchen, kannst du mal herkommen?" Oder ich könnte schreiben: Das wär dann die Schokolade… Der Grund, warum Leute ihre Kreditkarte rausholen. Also, vorausgesetzt, du lässt mich jetzt nicht hängen und ignorierst mich wie Töchterchen? Markus PS: Und falls du dich fragst, ob Töchterchen ihre Schokolade bekommen hat: Natürlich NICHT. Erstens weiß sie ja, dass es Abends keine Schoki mehr gibt…und zweitens hätte ich nen Ruf zu verlieren. Ich bin ja nicht nur Copywriter – sondern auch professioneller Kindermanipulator. |