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Ich mag keine Menschen. Und wenn ich das sage, meine ich das weder übertrieben noch aus Koketterie. Ich komme nach Hause, schließe die Tür hinter mir – und atme aus. Weil endlich wieder Stille ist. Weil niemand mehr etwas von mir will. Weil ich einfach nur ich sein kann, ohne dass das irgendjemanden interessiert. Katti nennt das "du brauchst deine Höhle". Ich nenn's einfach: normal. Und trotzdem bin ich letzte Woche nach Berlin gefahren. 4 Tage. Essen, Workshops, Bowling, Markthalle, ein Spieleabend – bei dem wir in Teams gegeneinander angetreten sind wie bei Schlag den Raab, nur deutlich lauter und mit weniger Würde. Permanent Menschen. Permanent Lautstärke. Permanent "sei jetzt social, Markus – sonst halten dich wieder alle für einen Freak". Auf der Heimfahrt – endlich allein im Auto – war ich erleichtert. Aber auch: irgendwie traurig. Es ging gar nicht darum, dass mich die Menschen genervt hätten, ganz im Gegenteil: die Gespräche waren gut. Wirklich gut. Die Art von Gesprächen, die man sonst nicht führt – weil niemand im Alltag versteht, worüber man redet. Und trotzdem: Es hat mich Energie gekostet. Wie immer. Das ist das Ding, das mich auf der ganzen Heimfahrt beschäftigt hat. Ich hab die Gespräche genossen – und war gleichzeitig froh, als sie vorbei waren. Beides gleichzeitig. Ich weiß nicht, ob das Introversion ist. Oder ob ich einfach zu lange allein gearbeitet habe. Oder ob das so ist und so bleibt. Keine Ahnung, Reader. Ich sitze jetzt seit zwei Tagen wieder in meinem Büro. Hundi schläft neben mir. Draußen ist es grau. Und irgendwie ist es genau richtig so. Markus |