Die Kugel ist schwer.


Viel schwerer als ich dachte, Reader.


Meine Finger in den Löchern. Der Daumen krallt sich fest. Die Handfläche klebt schon am Plastik.


Ich hol aus.


Ein Schritt.


Das Gewicht zieht nach unten. Mein Arm schwingt zurück.


Zwei.


Die Kugel pendelt. Ich spür, wie mein Körper nach vorne kippt.


Drei.


Und dann lass ich los.


Die Kugel schwebt.


Höchstens eine Sekunde. Wahrscheinlich weniger. Aber ich seh's in Zeitlupe.


Sie fliegt aus meiner Hand. Dreht sich. Langsam. Um die eigene Achse.


Und dann–


BUMM.


Sie knallt auf die Bahn. Hart. Laut. Der Aufprall geht mir durch Mark und Bein.


Alle drehen sich um.


Die Kugel springt. Hebt ab. Landet wieder.


Und dann rollt sie.


Ich kann nichts mehr tun.


Die Hand noch in der Luft. Der Arm noch gestreckt, als könnte ich sie zurückholen.


Kann ich leider nicht.


Die Kugel rollt.


Und ich schau zu.


Sie zieht nach rechts.


Leicht. Kaum merklich. Aber ich seh's.


Mein Herz setzt einen Schlag aus.


„Nicht die Rinne. Bitte nicht die Rinne.”


Die Kugel rollt weiter. Das Geräusch auf der Bahn. Dieses dumpfe Rollen. Endlos.


Sie driftet weiter nach rechts.


Zu weit.


Ich seh schon, wie sie an den Kegeln vorbeirollt. Wie sie die Kante trifft. Wie ich da steh mit leeren Händen.


Die Kegel kommen näher.


Die Kugel rollt.


Immer näher.


Und dann–


Sie dreht.


Ganz leicht.


Kaum zu sehen.


Die Kugel dreht sich zurück. Nach links.


Mein Atem stockt.


„Komm schon. Komm schon. Komm schon.”


Sie rollt direkt auf die Kegel zu.


Zwar nicht so, wie ich mir das theoretisch vorgestellt habe, aber zumindest wird’s keine Nullrunde. Hoffentlich.


Ich kann nicht atmen. Ich kann mich nicht bewegen. Ich steh da wie eingefroren.


Die Kugel ist jetzt fast bei den Kegeln.


Drei Meter.


Zwei.


Einer.


Und dann–


KRACKS.


Der vorderste Kegel explodiert nach links.


Die Kugel rollt weiter. Trifft den zweiten. Seitlich. Der fliegt nach rechts.


Kettenreaktion.


Kegel knallen gegeneinander. Hart. Laut. Überall.


Ich seh nur noch, wie sie fliegen. Wie Dominosteine. Nur schneller, brutaler.


Links. Rechts. Nach hinten. Nach vorne.


Das komplette Chaos.


Und dann–


Stille.


Ich schau auf die Bahn.


Kein Kegel steht mehr.


Alle zehn liegen.


Ich steh da. Die Hand noch in der Luft. Der Mund offen.


Strike.


Zehn Sekunden.


Von „Ich lass los” bis „Strike”.


Zehn Sekunden, in denen ich nichts mehr tun konnte.


Nur zuschauen, hoffen und beten, dass die Kugel trifft.


Wenn’s dir beim Storytelling ähnlich geht und du dich so auf’s Glück verlässt wie ich beim Bowling – dann hab ich wahrscheinlich bald was für dich.


Markus



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