|
Ich bin wach, und hab nicht den Hauch einer Ahnung, warum. Kein Geräusch. Katti atmet neben mir wie immer, das Haus ist still, draußen fährt nicht mal ein Auto, und ich lieg da mit offenen Augen in dieser Dunkelheit und warte darauf, dass irgendwas passiert, das erklärt, warum ich überhaupt wach bin. Dann merk ich, dass ich schlucke. Und dass ich das schon eine ganze Weile mache. Da ist was in der Luft. Süßlich. Warm. Es liegt ganz hinten am Gaumen und geht nicht weg, wenn du den Kopf drehst. Ich atme durch den Mund, und das ist der Fehler, weil ich es dann schmecke. Ich denk noch: Biomüll. Dreh mich um. Kissen drüber. Und liege dann zwanzig Minuten mit dem Kissen auf dem Gesicht und atme meine eigene Luft, weil die besser ist als das da draußen. Dann steh ich auf. Und jetzt muss ich dir erzählen, was so ein Kopf um vier Uhr früh anstellt, wenn er im Dunkeln durch einen Flur läuft. Erster Gedanke: Maus. Unterm Dielenboden verreckt. Mein Schwager hatte das mal und hat drei Wochen gesucht. Zweiter Gedanke: Hundi hat sich gestern im Park in irgendwas gewälzt, was ich mir bewusst nicht genauer angeschaut hab – in der Hoffnung, dass wenn da was wäre, Katti das schon merken würde und sich drum kümmern… Und dann der Gedanke, den ich sofort wieder weggeschoben hab, weil man den um vier Uhr früh nicht denken will. Küche. Nur der Kühlschrank, der brummt. Bad. Nichts. Dann steh ich im Flur und stell fest, dass das Ding eine Richtung hat. Nach rechts wird es schwächer. Nach links wird es so stark, dass mir fast die Augen tränen. Links ist das Kinderzimmer von Söhnchen. Ich hab vor dieser Tür gestanden, die Hand auf der Klinke, und sie nicht runtergedrückt. Weil hinter Türen, aus denen es so riecht, noch nie was Gutes gelegen hat. Und dann hör ich was. Ein Rascheln. Und danach so ein leises, zufriedenes Schmatzen. Ich mach auf. Licht lass ich aus, ich will das nicht sehen, ich will nur wissen, was da ist. Im Dunkeln seh ich schemenhaft etwas, das sich im Gitterbett bewegt, sich zu mir umdreht, also mach ich das Licht doch an. Nur sicherheitshalber. Söhnchen. Barfuß, nackt bis auf den Rest vom Body, den Schlafsack irgendwo neben sich. Zwei Handabdrücke an der Wand hinterm Bett, in Kinderhandgröße, sauber wie gestempelt. Am Gitter zieht sich das runter bis auf die Matratze. Und in seinem Gesicht. An oder IN seinem Mund. Und dann will der Terrorzwerg auch noch hochgenommen werden und streckt mir die Arme entgegen. Also hab ich mal wieder die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder mit angehaltenem Atem hochnehmen und mit ihm zusammen direkt unter die Dusche (Warmwasser gibt’s um die Zeit noch nicht) – oder Katti wecken. Und weil ich eine Ahnung hab, was schlimmer ist, hab ich heut also schon eiskalt geduscht. Söhnchen fand’s irgendwie lustig. Ich nicht. Markus PS: übrigens hast du grad 487 Wörter über das Banalste gelesen, was Eltern so passiert: Eine Windel, die ihr Werbeversprechen nicht eingelöst hat. Warum machst du sowas, Reader? Auf der anderen Seite, wenn du sowas auch können willst, dass man deine Texte liest, selbst wenn du buchstäblich über Scheiße schreibst… |