Der Typ ging mir aber mal sowas von auf die Nerven, Reader.

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Frag mich nicht warum. Irgendwas an der Art, wie er sich gegeben hat. Wie er dastand, wie er redete.

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Allein, wie der schon geatmet hat!

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Immer so ein…aus…ein…aus…

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Da kann man sich nur drüber aufregen!

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Wir haben beide unsere Kinder im selben Kindergarten abgegeben, morgens, fast jeden Tag. Er hat genickt, ich hab meistens reflexartig zurückgenickt und mir dabei Tag für Tag „was für ein Depp" gedacht und bin weitergegangen.

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Bestimmt ein Jahr lang ungefähr, oder so....

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Dann kam der St.-Martins-Umzug. Dunkel, kalt, überall Laternen und schiefer Gesang.

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Und der Depp dreht sich zu mir um und fragt, ob ich kurz die Laterne von seiner Tochter halten kann. Sie musste die Schuhe zugebunden kriegen.

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Ich hab die Laterne gehalten. Vielleicht vierzig Sekunden.

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Danach haben wir kurz geredet. Und beim nächsten Abgeben morgens auch. Und irgendwann stand ich zehn Minuten mit ihm auf dem Parkplatz, weil man sich ja mal austauschen muss.

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Seine Tochter und Töchterchen gehen inzwischen in dieselbe Klasse, wir unterhalten uns sogar noch mehr und haben dieses Jahr schon zweimal in kleinen Projekten zusammengearbeitet. Einmal hat er mich angefragt, einmal ich ihn.

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Und ich hab bis heute keine Ahnung, was ich damals eigentlich gegen ihn hatte.

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Vielleicht lässt sich das historisch erklären?

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Pennsylvania, um 1737. Benjamin Franklin will Schreiber der Versammlung bleiben. Ein neuer Abgeordneter im Parlament, reich, gebildet, bestens vernetzt, hält dagegen und teilt in einer Rede ordentlich gegen ihn aus.

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Franklin hätte ihn, wie man das halt macht, zum Essen einladen können oder ihm ein kleines Präsent zukommen lassen – stattdessen bittet er ihn um einen Gefallen.

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Der Mann besitzt ein seltenes Buch. Franklin schreibt ihm, ob er es für ein paar Tage haben könnte. Das Buch kommt sofort. Eine Woche später schickt Franklin es mit einem herzlichen Dankesbrief zurück.

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Beim nächsten Treffen im Parlament spricht der Mann ihn an. Zum ersten Mal überhaupt. Ausgesprochen freundlich. Die beiden bleiben Freunde bis zu seinem Tod.

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Franklins Erklärung dafür steht in seiner Autobiografie:

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Wer dir einmal einen Gefallen getan hat, tut dir eher den nächsten als der, dem du selbst einen getan hast.

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Dein Kopf hält's schlecht aus, was Nettes für jemanden zu tun, den er blöd findet. Und weil die gehaltene Laterne sich nicht mehr zurücknehmen lässt, dreht er lieber die Meinung über diesen Depp vom Kindergarten.

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Vierzig Sekunden haben gereicht, um ein Jahr voller Vorurteile ins Gegenteil zu drehen.

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Und deswegen ist der Käufer, der dir mal 20 Euro gegeben hat, für das 200-Euro-Offer längst warm, während der Freebie-Sammler nach zwei Jahren immer noch überlegt.

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DU hast dem einen was gegeben. Der andere hat DIR was gegeben.

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Wobei die Sache klein bleiben muss. Franklin wollte ein Buch für eine Woche. Der Depp wollte vierzig Sekunden.

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Schreib einem, den du für dich gewinnen willst, „schaust du mal kurz über meine Salespage?", dann kostet ihn dein kleiner Gefallen eine halbe Stunde.

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Frag lieber, ob er mal kurz die Laterne halten kann.

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Markus

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PS: Anstrengend ist der Kerl immer noch…

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Stört mich nur nicht mehr so sehr ¯_(ツ)_/¯

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zukunftsich

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