Gestern war Weltlächeltag, Reader.

​
​

Und weil ich ein gründlicher Mensch bin, hab ich mir dazu ein Interview mit Rainer Stollmann durchgelesen (ja, in der BILD). Stollmann ist Lachforscher aus Bremen. Den Beruf gibt's wirklich, der Mann hat sich 1995 über die Natur und Kultur des Lachens habilitiert.

​
​

Gleich die erste Antwort hat mich erwischt. Stollmann zitiert Loriot: Die Deutschen „brauchen ein Signal, damit sie wissen, dass sie lachen dürfen".

​
​

Stimmt leider. Wir lachen meistens erst, wenn der Chef zuerst gelacht hat.

​
​

Das bekannteste Lach-Signal der Welt hat übrigens ein Werbegrafiker gezeichnet. Harvey Ball, Worcester, Massachusetts.

​
​

1963 meldet sich bei ihm eine Versicherung, die State Mutual, die gerade fusioniert hat, und wie das bei Fusionen so ist, sitzt die halbe Belegschaft mit Bauchweh am Schreibtisch und fragt sich, ob sie nächsten Monat noch einen hat, an dem sie sitzen kann und dann Geld dafür bekommt. Die Firma will Anstecker oder so, irgendwas, das die Leute aufmuntert.

​
​

Stollmann nennt Lachen das älteste Mittel gegen Angst. Die Versicherung wusste das 1963 offenbar auch schon.

​
​

Harvey malt also einen gelben Kreis. Setzt zwei Augen rein, das rechte ein kleines bisschen größer als das linke. Drunter einen Mund, der ihm etwas schief gerät.

​
​

Keine zehn Minuten hat er dafür gebraucht. Honorar: 45 Dollar.

​
​

Und dann…

​
​

Geht das Ding durch die Decke. Anfang der 70er sind 50 Millionen Smiley-Buttons verkauft.

​
​

Das Geld machen zwei Brüder aus Philadelphia, weil Harvey sich das Motiv nie hat schützen lassen.

​
​

Ich hätte an seiner Stelle in die Tischkante gebissen.

​
​

Harvey nicht. Sein Sohn hat später erzählt, was der Alte dazu gesagt hat: „Ich kann eh nur ein Steak auf einmal essen."

​
​

1999 hat er dann den Weltlächeltag erfunden. Sein Smiley grinste inzwischen von jeder zweiten Kaffeetasse, und Harvey fand, dass dabei die Menschen zu kurz kommen.

​
​

Wie kurz, hat Stollmann ausgerechnet. Vor 50 Jahren haben die Deutschen noch 15 bis 20 Minuten am Tag gelacht. Heute ist es deutlich weniger, vermutlich wegen Stress. Ein Erwachsener kommt auf etwa 25 Lacher am Tag, Kinder auf ein Vielfaches.

​
​

(das mit dem Vielfachen glaub ich sofort. Ich wohne mit zweien davon zusammen)

​
​

Und Hunde, sagt der Professor, können auch lächeln. Die sind uns darin sogar am nächsten.

​
​

Ob Hundi damals um halb 5 bei minus 15 Grad gelächelt hat, weiß ich nicht. Ich war mit Frieren beschäftigt…

​
​

Ich muss dir aber was gestehen, Reader...

​
​

Ich bin kein Harvey Ball.

​
​

Ich will das Steak. Und wenn's geht, auch das zweite. Dass hier verkauft wird, weißt du ja, steht schließlich in jeder Signatur.

​
​

Aber da ist noch was, das mir fast genauso wichtig ist:

​
​

Dass du beim Lesen ab und zu grinst, über Hundi, Töchterchen, Söhnchen, Katti oder über mich und das Finanzamt.

​
​

Ich hoffe, meine Mails sind öfter mal dein Lach-Signal. Für zwei oder drei von deinen 25.

​
​

Und falls nicht: Die hier hat dich wenigstens keine 45 Dollar gekostet ¯_(ツ)_/¯

​
​

Markus

Datenschutz-Übersicht

zukunftsich

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.

Unbedingt notwendige Cookies

Unbedingt notwendige Cookies sollten jederzeit aktiviert sein, damit wir deine Einstellungen für die Cookie-Einstellungen speichern können.