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Gestern Nachmittag. Töchterchen steht am Fenster. Draußen liegt Schnee. Viel Schnee. Sie dreht sich zu mir um: „Raus. Jetzt.” Sie ist 5. Die will Schnee. Sofort. Ich schau nach draußen. Dann zu Söhnchen. Der spielt in seinem Laufstall mit Bauklötzchen und schaut mich an mit diesen großen Augen. Und ich denk mir: „Fuck. Wie soll das gehen?” Kinderwagen im Schnee? Vergiss es. Die Räder stecken nach 3 Metern fest. Ich schieb das Ding keine 10 Meter, bevor ich versink. Gut, dass ich verheiratet bin und es Kattis Aufgabe ist, da eine Lösung zu finden. Also sag ich ihr: „Töchterchen will raus, Hundi sowieso bei Schnee – lass uns alle rausgehen. Nimmst du den Kinderwagen? Dann nehm ich Hundi und Töchterchen.” Sie schaut mich an. Aus dem Fenster. Dann wieder zu mir. „Vergiss es” „Aber die Kinder sollten schon raus…” „Ja, aber DU nimmst den Kinderwagen. Ich kämpf mich damit doch nicht durch den Schnee. Du warst ja wieder zu geizig, nen Babyschlitten zu kaufen.” „60 Euro. Mindestens. Für einen Schlitten, den wir genau eine Saison nutzen. NIEMALS” Pause. „Du bist so ein Geizhals…” Was soll ich sagen? Das ist einfach der schwäbische Einschlag beim Allgäuer. Brutal effektiv. Ich steh da. Töchterchen will raus. Söhnchen muss irgendwie mit. Es gibt aber keinen Hundeschlitten. Und dann – keine Ahnung, wie sie auf die Idee kam – sagt Katti: „Wäschewanne.” „Was?” „Pack ihn in die Wäschewanne. Mit dem Sitzsack aus dem Kinderwagen. Dann ziehst du ihn.” Ich schau zur Wäschewanne. Dann zu Söhnchen. Dann wieder zu Katti. „Du willst, dass ich unser Kind wie...wie einen Kasten Bier durch den Schnee ziehe?” „Hast du eine bessere Idee?” Hatte ich nicht. Also pack ich Söhnchen in seinen Sitzsack. Stell den Sitzsack in die Wäschewanne. Schnapp mir die Hundeleine. Befestige sie an der Wanne. Katti schaut zu. Sagt nichts. Aber ich seh's in ihren Augen: Sie genießt das. Wir gehen raus. Töchterchen rennt durch den Schnee, schreit vor Freude. Ich zieh Söhnchen hinter mir her. In einer Wäschewanne. Mit einer Hundeleine. Und guess what? Söhnchen grinst. Die ganze Zeit. Der sitzt da, warm und trocken, wird durch den Schnee gezogen wie ein kleiner König auf seinem Thron. Und ich hab 60 Euro gespart. Mindestens 😎 Aber das ist nicht die eigentliche Story. Die eigentliche Story ist: Söhnchen hat keine Ahnung, dass das absurd ist. Für ihn ist das normal. Das ist, wie man im Schnee unterwegs ist. Wäschewanne. Hundeleine. Papa zieht. Ich hab ihm eine Realität verkauft. Und er hat sie gekauft. Ohne zu fragen. Ohne zu zweifeln. Weil ich ihm keine Alternative gezeigt hab – und weil er noch nicht sprechen kann, klar. Aber es geht ja ums Prinzip. Das ist Manipulation in Reinform. Auch wenn’s weder böse noch gemein war. (obwohl die Blicke der Menschen, die uns begegnet sind, so judgy waren, dass…ja. Egal. Hauptsache, alle hatten Spaß – und ich musste keine 60 Euro auf den Tisch legen) Ich hab die Realität geframt. Ich hab ihm eine Lösung präsentiert, die absurd ist – aber er weiß das nicht. Für ihn ist das die einzige Lösung. Also akzeptiert er sie. Und genau so funktioniert Manipulation im Marketing. Du zeigst Menschen eine Realität. Du framst das Problem. Du framst die Lösung. Und wenn du es richtig machst, kaufen sie. Ohne zu fragen. Ohne zu zweifeln. Weil sie keine Alternative sehen. So treffen Menschen Entscheidungen. Und wenn du nicht verstehst, wie das funktioniert, wirst du manipuliert. Jeden Tag. Von jedem, der besser ist als du. Wenn du da mehr drüber wissen willst… Klick auf keinen Fall hier – sonst gibst du nur wieder Geld aus! Markus |