Unlängst bin ich fremdgegangen.


Reader, ich erzähl dir das, um mein Gewissen zu erleichtern – und es aufzuschreiben ist nur halb so schlimm, wie die Betrogene direkt damit zu konfrontieren…


Blöderweise ist mir das auch noch kurz vor Muttertag passiert…war aber eigentlich nur eine Verkettung unglücklicher Umstände:


Ich wollte Katti ja mit der ein oder anderen Überraschung erfreuen…ein Teil davon hatte aber Lieferverzug und ich war mir ziemlich sicher, dass es nicht rechtzeitig käme…


Gleichzeitig konnte ich aber auch nicht wie sonst üblich durch die Stadt schlendern, um mich nach einer Alternative umzusehen, weil wieder einmal alles auf einmal kam: Töchterchen muss zum Sport, Katti schickt mich irgendwohin, was von Kleinanzeigen zu holen, zur Post muss ich – und in dem ganzen Trubel ist es passiert:


Ich bin mit dem Auto gefahren und habe nicht in meiner normalen Tiefgarage geparkt, sondern in einem anderen Parkhaus.


Ein passendes Präsent gefunden, dann aber schnell, am Ticketautomaten wenigstens nicht ganz so viel los, nur eine Frau vor mir.


Kurz wurde ich dann aber doch ungeduldig, immerhin nestelte sie ziiiiiemlich lang in ihrer Handtasche umeinander, um den Geldbeutel rauszuholen…


Aber hey: Geschenk organisiert, einigermaßen rechtzeitig dran, alles halb so wild.


Sie findet den Geldbeutel, grunzt zufrieden – holt ihre Karte raus und versucht zu zahlen.


In dem Moment nehme ich eine winzig kleine Bewegung wahr.


Wirklich, kaum merklich war das…


Aber Tatsache:


Da liegt auf dem Boden, direkt hinter besagter Frau: ein mehrfach gefalteter Hunderter.


Da strengen sich die Synapsen natürlich an:


Hat sie es bemerkt? Ne, bestimmt nicht – so hektisch wie die war…


Wird sie es noch merken? Ne, bestimmt nicht – sie wird sich nach dem Zahlen nach links umdrehen und hat dann keine Chance mehr, den Geldschein zu sehen…


Das Teufelchen in meinem Kopf hat sich schon über 100 Euro gefreut, mit denen man irgendeinen Quatsch machen kann…


Und dann kam die blitzartige Erkenntnis:


Markus, was soll der Mist? Warum denkst du überhaupt darüber nach, Geld einzustecken, das dir nicht gehört?


Also gebückt, den Hunni aufgehoben, meinen ganzen Mut zusammengenommen und die fremde Frau angequatscht:


Entschuldigung – ich glaub, Sie haben eben Geld verloren, das muss aus Ihrer Tasche gefallen sein…


Sie schaut mich an wie ein Teletubby, greift nach dem Hunderter…


Und kramt in ihrer Tasche?!?


Schaut wieder hoch, lächelt auf einmal – und streckt mir einen Zwanziger hin:


„Hier bitte, Ihr Finderlohn!”


Nein danke, ich hab’s ja nicht gefunden, ich hab nur gesehen, wie Sie es verloren haben…


„Doch, Sie nehmen das jetzt. Und wenn Sie es nicht brauchen, dann können Sie es ja spenden oder so.”


Macht auf dem Absatz kehrt – und stürmt raus.


Jetzt stand ich da.


Hundi und Laptoptasche in der einen Hand, Parkticket und 20 Euro in der anderen.


Kurze Überforderung meinerseits, was ich denn jetzt machen soll…


Bis die rettende Idee kam:


Direkt vor dem Tickethäuschen hab ich vorhin einen „Bettler” sitzen sehen.


Da dachte ich: der kann’s doch brauchen, geh nochmal kurz in die falsche Richtung, drück ihm den Zwanni in die Hand, wünsch ihm nen schönen Abend…


Da sagt er:


„Nee du, das ist zu viel. Und ich hab das drin eben gesehen von dir – das ist doch dein Geld”.


Vielleicht machen die ja hier irgendwas ins Wasser oder so in Kempten…


Oder warum will hier keiner Geld?


Ja.


Jedenfalls war ich von seiner Reaktion so überrascht, dass ich ihm den Zehner, den ich in der Hosentasche hatte, auch noch zugesteckt hab mit den Worten:


Jetzt grad mit Fleiß. Schönen Abend noch!” und bin gegangen.


Hundi ins Auto geladen und während ich in Richtung Ausfahrt fahr, da hab ich realisiert:


Ich hätte 100 Euro haben können – war dafür aber zu ehrlich.


Ich hätte 20 Euro haben können – und hab’s lieber jemand anderem gegeben, der das Geld (vermutlich) dringender braucht.


Und dann hab ich auch noch 10 Euro von meinem eigenen Geld verschenkt – tolle Wurst.


Naja.


Jetzt hab ich halt ein bisschen Angst:


Was, wenn mir das in Zukunft öfter passiert?


Was mach ich dann?


Ich kann schließlich nicht jeden Tag rechnerisch 130 Tacken Miese machen…


Folgender Vorschlag:


Du kaufst dir hier FRANK – da hast du wenigstens was von.


Und ich kann vielleicht ein kleines Polster aufbauen, dass Tage wie dieser nicht ganz so weh tun.


Markus


PS: oben…


Wo ich geschrieben hab, dass die Frau zufrieden grunzt…


Vielleicht hab ich mir das nur eingebildet.


Es hätte aber halt echt gut zum Moment gepasst.