Der Typ ging mir aber mal sowas von auf die Nerven, Reader.

​
​

Frag mich nicht warum. Irgendwas an der Art, wie er sich gegeben hat. Wie er dastand, wie er redete.

​
​

Allein, wie der schon geatmet hat!

​
​

Immer so ein…aus…ein…aus…

​
​

Da kann man sich nur drüber aufregen!

​
​

Wir haben beide unsere Kinder im selben Kindergarten abgegeben, morgens, fast jeden Tag. Er hat genickt, ich hab meistens reflexartig zurückgenickt und mir dabei Tag für Tag „was für ein Depp" gedacht und bin weitergegangen.

​
​

Bestimmt ein Jahr lang ungefähr, oder so....

​
​

Dann kam der St.-Martins-Umzug. Dunkel, kalt, überall Laternen und schiefer Gesang.

​
​

Und der Depp dreht sich zu mir um und fragt, ob ich kurz die Laterne von seiner Tochter halten kann. Sie musste die Schuhe zugebunden kriegen.

​
​

Ich hab die Laterne gehalten. Vielleicht vierzig Sekunden.

​
​

Danach haben wir kurz geredet. Und beim nächsten Abgeben morgens auch. Und irgendwann stand ich zehn Minuten mit ihm auf dem Parkplatz, weil man sich ja mal austauschen muss.

​
​

Seine Tochter und Töchterchen gehen inzwischen in dieselbe Klasse, wir unterhalten uns sogar noch mehr und haben dieses Jahr schon zweimal in kleinen Projekten zusammengearbeitet. Einmal hat er mich angefragt, einmal ich ihn.

​
​

Und ich hab bis heute keine Ahnung, was ich damals eigentlich gegen ihn hatte.

​
​

Vielleicht lässt sich das historisch erklären?

​
​

Pennsylvania, um 1737. Benjamin Franklin will Schreiber der Versammlung bleiben. Ein neuer Abgeordneter im Parlament, reich, gebildet, bestens vernetzt, hält dagegen und teilt in einer Rede ordentlich gegen ihn aus.

​
​

Franklin hätte ihn, wie man das halt macht, zum Essen einladen können oder ihm ein kleines Präsent zukommen lassen – stattdessen bittet er ihn um einen Gefallen.

​
​

Der Mann besitzt ein seltenes Buch. Franklin schreibt ihm, ob er es für ein paar Tage haben könnte. Das Buch kommt sofort. Eine Woche später schickt Franklin es mit einem herzlichen Dankesbrief zurück.

​
​

Beim nächsten Treffen im Parlament spricht der Mann ihn an. Zum ersten Mal überhaupt. Ausgesprochen freundlich. Die beiden bleiben Freunde bis zu seinem Tod.

​
​

Franklins Erklärung dafür steht in seiner Autobiografie:

​
​

Wer dir einmal einen Gefallen getan hat, tut dir eher den nächsten als der, dem du selbst einen getan hast.

​
​

Dein Kopf hält's schlecht aus, was Nettes für jemanden zu tun, den er blöd findet. Und weil die gehaltene Laterne sich nicht mehr zurücknehmen lässt, dreht er lieber die Meinung über diesen Depp vom Kindergarten.

​
​

Vierzig Sekunden haben gereicht, um ein Jahr voller Vorurteile ins Gegenteil zu drehen.

​
​

Deswegen lassen dich gute Newsletter dauernd was tun. Antworte mir kurz. Klick mal hier. Stimm ab, tu mir mal den Gefallen und...

​
​

Und deswegen ist der Käufer, der dir mal 20 Euro gegeben hat, für das 200-Euro-Offer längst warm, während der Freebie-Sammler nach zwei Jahren immer noch überlegt.

​
​

DU hast dem einen was gegeben. Der andere hat DIR was gegeben.

​
​

Wobei die Sache klein bleiben muss. Franklin wollte ein Buch für eine Woche. Der Depp wollte vierzig Sekunden.

​
​

Schreib einem, den du für dich gewinnen willst, „schaust du mal kurz über meine Salespage?", dann kostet ihn dein kleiner Gefallen eine halbe Stunde.

​
​

Frag lieber, ob er mal kurz die Laterne halten kann.

​
​

Markus

​
​

PS: Anstrengend ist der Kerl immer noch…

​
​

Stört mich nur nicht mehr so sehr ¯_(ツ)_/¯

Mit SCHRECKEN schau ich grad in den Kalender und stelle fest:

​
​

Übermorgen startet schon das vielleicht überragendste Copywriting-Event aller Zeiten.

​
​

Das heißt, langsam wird es eng mit den Vorbereitungen, die noch so zu machen sind…und jeden Tag kommen noch mehr Pakete mit Lieferungen bei mir an.

​
​

Irgendjemand muss dann noch alles zusammenbringen – werd wahrscheinlich ich sein. Und dann…

​
​

Ja.

​
​

Falls du auch dabei sein willst, am vielleicht perfektesten Ort überhaupt für sowas, Reader – nämlich Kempten im Allgäu – dann solltest du dich beeilen:

​
​

​Komm hier für nen einzigen kleinen Testeuro 30 Tage in den Copy Club.​

​
​

Und dann schreibst du einfach im gepinnten Post, dass du dabei bist, dass du dich wahnsinnig freust, mal alle in persona zu sehen und fragst, was du mitbringen sollst.

​
​

(also – Salat oder Kuchen braucht es nicht, denk ich…dir fällt bestimmt was ein!)

​
​

Das Programm:

​
​

Kannst du dir in Skool direkt durchlesen!

​
​

Markus

​
​

PS: ja, ich weiß…

​
​

Bisschen einfallslos.

​
​

Zu meiner Verteidigung:

​
​

Ich war heute schon um 4 Uhr in einem Zoomcall, der mir sehr wichtig war.

Reader, ich hab mal was über dich aufgeschrieben:

Du hast ein ziemlich großes Bedürfnis, dass andere dich mögen. Gleichzeitig bist du oft ganz schön kritisch mit dir selbst.

​
​

In dir steckt einfach mehr, als du bisher aus dir rausholst.

​
​

Manchmal bist du gesellig und offen. Dann wieder willst du einfach deine Ruhe.

​
​

Und ab und zu fragst du dich, ob du die richtige Entscheidung getroffen hast...

Na? Wie gut hab ich dich getroffen? Auf ner virtuellen Skala von „saugut” bis „100%”?

​
​

Glückwunsch. Dann bist du genau wie 39 Psychologie-Studenten im Jahr 1948.

​
​

Bertram Forer hieß der Mann, der sie reingelegt hat. Psychologe. Er ließ seine Studenten einen Persönlichkeitstest ausfüllen und drückte jedem eine Woche später seine persönliche Auswertung in die Hand.

​
​

Dann sollten sie bewerten, wie gut die passt. Skala 0 bis 5.

​
​

Durchschnitt: 4,26.

​
​

Die waren hin und weg. Endlich hat sie mal einer verstanden.

​
​

Blöd nur, dass alle exakt denselben Text bekommen hatten ¯_(ツ)_/¯

​
​

Forer hatte ihn sich aus einem Astrologie-Buch vom Zeitungskiosk zusammengeklaubt. Die Sätze oben sind übrigens seine. Leicht eingedeutscht.

​
​

Paul Meehl hat dem Ganzen später einen Namen gegeben: Barnum-Effekt. Nach P. T. Barnum, dem Zirkusdirektor, bei dem angeblich für jeden was dabei war.

​
​

Horoskope leben davon. Wahrsager auch.

​
​

Und erstaunlich viele Salespages, die richtig gut verkaufen.

​
​

Schreib „Viele Selbstständige tun sich schwer mit der Kundengewinnung" und dein Leser nickt. Höflich. Und scrollt weiter.

​
​

Schreib „Du hast schon mal einen Kurs gekauft, den du nie fertig gemacht hast" und er zuckt zusammen.

​
​

Du auch? Welcher Kurs gammelt seit 2023 auf deiner Festplatte rum und wartet drauf, doch nochmal geöffnet zu werden?

​
​

Der Satz trifft auf fast jeden zu. Er fühlt sich für dich trotzdem an, als hätte jemand dein Tagebuch gelesen.

​
​

Schiefgehen tut's, wenn du nur noch Barnum machst. Dann klingst du wie das Horoskop in der Fernsehzeitung. „Heute begegnet Ihnen eine interessante Person."

​
​

Ja. Der Paketbote.

​
​

Dein Satz muss für fast jeden in deiner Zielgruppe stimmen. Für den Rest der Welt darf er gerne Quatsch sein.

​
​

Und ja… oben hab ich's gerade bei dir gemacht.

​
​

Wenn's geklappt hat, antworte mir einfach mit einer Zahl von 0 bis 5. Ich rechne dann den Durchschnitt aus und schau, ob wir Forer schlagen.

​
​

Markus

​
​

PS: Der Satz mit dem „kritisch mit dir selbst" zieht bei so gut wie jedem. Warum das so ist und wie du Selbstzweifel in der Copy als Hebel nutzt, steht in Tipp #43 im CashCow Copywriting Compendium. Plus 75 weitere.

​
​

​Kannst du dir hier kaufen.​

Es ist scheißegal, wie alt du bist, Reader:

​
​

Wenn du auch nur eine einzige reife Kastanie auf dem Boden liegen siehst, fängst du an zu sammeln!

​
​

Ich weiß nicht, ob ich da in ner Bubble bin, aber ich kenne niemandem, bei dem das nicht so ist – wie schaut’s bei dir aus?

​
​

Wir haben gestern jedenfalls bestimmt siebenundzwanzig Kilo Kastanien gesammelt.

​
​

Oder so.

​
​

Töchterchen hatte einen Heidenspaß, Söhnchen auch – und ich wahrscheinlich am meisten.

​
​

Stellt sich nur die Frage:

​
​

Was zur Hölle macht man jetzt mit so vielen Kastanien?

​
​

Klar, basteln. Aber was? Und wozu? Und wer?

​
​

Ich bin ehrlich:

​
​

Basteln macht mir so unendlich viel weniger Spaß als Sammeln, das war schon als Kind so…

​
​

Gibt aber ne fast schon grenzgeniale Business-Beobachtung dazu:

​
​

Die meisten Menschen haben wahnsinnig viel Spaß dabei, Wissen zu „sammeln”, setzen es aber dann nicht um.

​
​

(ehrlicherweise schauen sich die meisten nicht einmal die Inhalte wirklich an, ich gehör da auch dazu…)

​
​

Heißt für dich:

​
​

Wenn du nen Onlinekurs oder so anbietest, dann muss der gar nicht wahnsinnig gut sein. Eigentlich kann er sogar richtig schlecht sein, weil die meisten ihn sowieso nicht bis zum Ende konsumieren.

​
​

Deine einzige Aufgabe ist also:

​
​

Mach geiles Marketing dafür, dann läuft das schon.

​
​

Markus

​
​

PS: und wil die Transition in einen Pitch einfach viel zu gut passt:

​
​

Was meinst du denn, warum SIRENE als Podcast ausgeliefert wird? Den du überall, zuhause, unterwegs, auf dem Boot, im Flugzeug, wo auch immer anhören kannst?

​
​

Sogar freihändig.

​
​

Weil das die Chance auf echten Konsum erhöht.

​
​

(darum sind die einzelnen Folgen auch kurz, da reicht schon eine am Tag, während du wartest, bist das Wasser kocht, oder so)

​
​

​Hör hier gern mal rein, Reader!​

​
​
​

„Das wird nicht passieren, egal was du sagst…!”

​
​

Hab ich mich noch sagen hören und trust me:

​
​

In dem Moment hab ich das sowas von gemeint! Man hat ja auch Prinzipien, du ja bestimmt auch, Reader.

​
​

Keine 12 Stunden später ist es passiert.

​
​

Ich weiß nicht genau, wie es dazu kommen konnte, hab aber eine leichte Tendenz in eine Richtung, die mir wahrscheinlich erscheint.

​
​

Gestern war aber erstmal Sport- & Familientag in Kempten. War ganz nett, aber furchtbar überlaufen mit den ganzen Menschen überall.

​
​

Vielleicht ist das mitunter deshalb so schwierig für mich, mich in Menschenmassen in Fußgängerzonen wohlzufühlen, weil ich durch einen schweren Schicksalsschlag kurz nach meiner Geburt ja ein großes Leiden habe:

​
​

Mir steht (offensichtlich) in riesigen Buchstaben irgendwo auf der Stirn dick und fett:

​
​

„Bitte sprich mich an, quatsch mir irgendwas auf, ich sag sowieso ja. Außerdem leb ich nicht am Existenzminimum und hab ein großes Herz, erzähl mir also einfach ne traurige Story und ich unterschreib den Lastschrifteinzug.”

​
​

Anders kann ich mir nicht erklären, warum hunderte Menschen an den Ständen von Wohltätigkeitsorganisationen in der Fußgängerzone ungehindert passieren können – wohingegen ich grundsätzlich abgepasst werde.

​
​

Macht ja auch nix, wer sowieso schon ans Rote Kreuz spendet und die Johanniter, dem geht’s auch gut damit, wenn er noch den ASB unterstützt und die Malteser. Warum auch nicht, machen ja alle was recht sinnvolles.

​
​

Tatsächlich war aber gestern niemand auf Spenderfang, dafür hatten ganz viele Krankenkassen und Sportvereine das dringende Bedürfnis, dass ich Mitglied bei ihnen werde.

​
​

Und ich sag dir eins:

​
​

Da war ich froh, dass Söhnchen sehr grätig war den ganzen Tag über und immer rechtzeitig mit Schreien angefangen hat, bevor ich wieder irgendwas unterschreiben konnte.

​
​

Töchterchen hat’s auch gefallen, die hat ordentlich Werbegeschenke abgesahnt.

​
​

Und natürlich Zuckerwatte…ein Eis – mehr will ich gar nicht erzählen, wer weiß schon, wer hier alles mitliest…aber ich sag mal so: wäre Katti mit dabei gewesen, wären die Kids sicher nicht so gut weggekommen.

​
​

Ich kämpf hier übrigens grad schon wieder mit dem, der nicht schlafen will, wenn er soll – und es nur tut, wenn es überhaupt nicht passt.

​
​

Drum kann ich auch nicht mehr Gegenlesen, muss sowieso alle paar Wörter die Aufmerksamkeit weg vom Mac hin zu selbigem richten – nein, du kletterst nicht auf den Tisch, das ist gefährlich – und hab generell keine Ahnung mehr, womit ich die Mail angefangen hab.

​
​

Macht die Sache mit nem passenden Pitch jetzt nicht unbedingt einfacher…

​
​

Vorschlag zur Güte:

​
​

Scroll drei Zeilen runter bis zur Signatur, Reader, und such dir einfach aus, was dir am besten gefällt!

​
​

Markus

Effing kurz vor 4 weckt mich der kleine Terrorzwerg heute mit unsäglichem Geschrei.

​
​

Und besitzt dann nicht einmal den Anstand, mir auch nur den leisesten Hinweis zu geben, was genau denn jetzt grad das Problem ist.

​
​

Also Standardprogramm abgespult:

​
​

Windel – voll, aber nicht zu voll, trotzdem schnell gewechselt.

​
​

Das Geschrei bleibt.

​
​

Durst – Wasser angeboten, er trinkt, unterbricht das Geschrei aber wohl nur aus physikalischen Gründen.

​
​

Vielleicht Hunger?

​
​

Ich hab alles probiert: Banane, Brei, Breze, Brot, Semmel, Himbeeren, Wurst, Käse, getrocknete Mango – und der Kerl:

​
​

Schreit.

​
​

Und die paar Zeilen sind alles, was ich in 3 Stunden getippt bekomm, weil er so viel Aufmerksamkeit braucht.

​
​

Und ich hab keine Ahnung, wie ich ihm die so geben kann, dass er zufrieden ist.

​
​

Markus

​
​

PS: Betreff und Preheader sind Absicht, wegen „klar statt clever“ und so…

​
​

Und außerdem:

​
​

Ich kann so nicht denken, Reader.

„Und wie viele aus deiner Zielgruppe haben das je selbst so gesagt?"

​
​

Pause.

​
​

„Das ist ein ChatGPT-Begriff. Das geb ich zu, das war nicht meine Idee…"

​
​

Gestern, Live-Call mit Thorsten, gut 70 Leute im Zoom, und wer bei uns die Kamera anmacht, läuft Gefahr, dass wir uns dann live sein Business vornehmen, und die Erste teilt ihren Bildschirm, Landingpage für ihr Freebie, richtig hübsch gebaut, die Frau hat mal Mediendesign gelernt und das sieht man auch.

​
​

Ganz oben steht:

​
​

Ruhe im Kinderwunsch-Gedankenkarussell.

​
​

(Ich hab nebenher auf dem zweiten Schirm ein Ad-Set für einen Kunden fertig gemacht, mit Videoskripten und allem. Geht inzwischen schneller, als es sollte. Aus Gründen.)

​
​

Bei der Zeile bin ich trotzdem direkt hängen geblieben, im negativst vorstellbaren Sinn.

​
​

Und sie hat nichts falsch gemacht, Reader, jedenfalls nicht das, was du gerade denkst. Sie hat der KI gesagt, sie soll klingen wie eine Psychologin. Weil sie Psychologin ist.

​
​

Die KI hat geliefert. Sauber und einfühlsam, genau das Bestellte.

​
​

Nur sagt den Satz da draußen kein Mensch, der das Problem wirklich hat.

​
​

Eine KI ist gebaut, um dir zuzustimmen. Sie wird dir nie sagen: so redet niemand.

Und wir prüfen unsere Texte ja auch auf was anderes. Klingt das nach mir oder nach Maschine? Klingt nach mir. Raus damit.

​
​

Keiner prüft, wo der Satz herkommt.

​
​

Dabei ist das die einzige Frage, die zählt: Hat den je ein echter Kunde ausgesprochen, oder hat ihn eine Maschine für dich erfunden, weil du nett zu ihr warst?

​
​

Deswegen das mit den Gründen von vorhin.

​
​

Meine KI fängt mit Fragen an, nicht mit Zustimmung. Wenn du's ausprobieren willst, schreib ihr als Allererstes rein:

​
​

„Stell mir 20 Fragen über mich, meine Zielgruppe und meine Kunden, die ich dir beantworten kann, damit du bessere Copy für mich schreibst."

​
​

​Hier kannst du sie 7 Tage komplett for free ausprobieren.​

​
​

Markus

​
​
​

„STOP! Hier geht’s nicht weiter!”

​
​

„Aber…ich will doch nur meine –”

​
​

„NEIN.”

​
​

Dabei starrt er mir tief in die Augen und für einen Moment denke ich, ich kann in seinen Augen sehen, zu was für Grausamkeiten dieser Kerl imstande ist, vielleicht hab ich Glück und komm mit ein paar gebrochenen Knochen davon.

​
​

Pavel.

​
​

Das steht zumindest auf seinem Namensschild, wenn ich das richtig entziffern kann. Die Flecken sehen aus wie Blut und das macht mir Angst, wenn ich ehrlich bin.

​
​

Pavel ist nen Kopf kleiner als ich, aber in seinem Blick liegt eine Härte, die man sonst nur Aufsehern in irgendwelchen sibirischen Gulags zutraut…und dass seine Schultern breiter sind, als ich hoch bin – macht es nicht besser.

​
​

Er trägt ein altes, ausgewaschenes T-Shirt, das einen ziemlich schweren Job hat: bei jedem Atemzug kämpft der Stoff um die Brust und um den Bizeps damit, nicht zu zerreißen.

​
​

Reader, es ist nicht so, dass ich mich jetzt drum prügeln würde, an mein Ziel zu kommen, so wichtig ist es mir nicht…

​
​

Ok, eigentlich schon. Sonst wird mir wieder mangelnde Empathie vorgeworfen. Gnah!

​
​

Neuer Versuch:

​
​

„Schauen Sie, ich will nur –”

​
​

„NEIN. Bitte wieder zurück und den Weg frei machen.”

​
​

Man muss wissen, welche Kämpfe man nicht gewinnen kann. Also unterdrücke ich den Impuls der Augen verlassenden Tränen, drehe mich um, bücke mich und flüstere mit brüchiger Stimme:

​
​

„Ok Schatz, du musst alleine weitergehen. Ich schau dir noch nach und hol dich nachher wieder ab.”

​
​

Als sie aus meinem Sichtfeld verschwunden ist, dreh ich mich um und schlurfe ob der Niederlage mit hängendem Kopf und hängenden Schultern in Richtung Auto…

​
​

Ich hab gestern Töchterchen zum ersten richtigen Schultag gebracht. Und wollte sie natürlich zum Klassenzimmer bringen, ist ja für sie auch alles neu.

​
​

Aber Pavel sagt: „NEIN!”

​
​

Pavel hat verschiedene Aufgaben in der Schule von Töchterchen und eine davon ist, dafür Sorge zu tragen, dass sich außer Lehrern und Schülern keine Personen im Schulgebäude aufhalten.

​
​

Ist ja auch echt sinnvoll, sowas. Sicherheit geht vor, klar. Aber bei mir ist da ja was anderes, weil…

​
​

Es ist witzig, Reader:

​
​

Da will ich grad die gleiche „Ausrede” verwenden wie Menschen, bei denen ihr Business schleppend läuft.

​
​

Da ist immer „der Markt schwierig”, oder „die Kunden sind ganz anders” – irgendwas ist halt immer ¯_(ツ)_/¯

​
​

Und niemand hinterfragt jemals, ob man nicht selbst was an der Situation ändern könnte, ob man irgendwas hat, was direkt im eigenen Einflussbereich liegt…

​
​

Ist ja auch bequem. Bringt einen halt nur nie weiter, als man ist, das ist so sicher wie die Tatsache, dass ich auch nachher wieder von Pavel an der Tür abgewiesen werde.

​
​

(gibt grad so Jugendvibes, als man nicht in die Disco kam…)

​
​

Was helfen kann:

​
​

Lass mal Leute nen Blick auf dein Business werfen, die das schon hunderte Male gemacht haben.

​
​

Damit mein ich jetzt nicht mich (auch wenn ich dabei bin), sondern andere – wie wär’s heute um 11:00 Uhr?

​
​

Da hast du nämlich die Chance auf ein Coaching for free von nem mehrfach 8-stelligen Unternehmer.

​
​

Was du tun musst:

​
​

​VOR 10:45 Uhr auf diesen Link klicken.​

​
​

Dann landest du beim selben witzigen Gif wie gestern in meiner Mail und gleichzeitig wird die Automation getriggert, dass du um 10:45 Uhr den Zoomlink von mir bekommst.

​
​

Deal?

​
​

Markus

Morgen ist schon wieder Donnerstag…

​
​

Und ich geh um 11 Uhr live mit nem guten Freund.

​
​

Wir wollen die ganze Bubble mal ein bisschen aufmischen…sagen, was sich sonst keiner traut…

​
​

Du weißt schon.

​
​

Ist jetzt aber kein Webinar, in dem wir dich mit hunderten Folien langweilen, sondern eher sowas wie live Coaching:

​
​

Wir analysieren dein Business, sagen dir, welche Stellschrauben wir an deiner Stelle drehen würden, damit dir die Kundengewinnung in Zukunft leichter fällt – und verlangen nicht einmal Geld von dir, Reader.

​
​

Der einzige Haken:

​
​

Wir haben grob 2 Stunden geplant (letzte Runde waren es sogar 3 am Ende), das heißt: mehr als 2-3 Cases sind nicht drin, ist also ein bisschen wie Lotto spielen.

​
​

Nur mit höherer Gewinnchance, klar.

​
​

Da wir dieses „Event” quasi nur intern bewerben, kann ich dir nicht einmal einen Anmeldelink schicken. Sorry.

​
​

Wenn du aber denkst, dass du davon profitieren könntest:

​
​

​Klick mal hier, dann siehst du nicht nur ein echt cooles Gif, sondern ich schick dir auch morgen um 10:45 Uhr den Zoomlink!​

​
​

Markus

​
​

PS: falls du dich fragst, ob sich das lohnen könnte…

​
​

Der Einladende (mein Freund!) ist jetzt nicht unbedingt ein Nobody in der deutschen Onlinemarketing-Szene…

​
​

Eher ne große Nummer, hat ja immerhin schon 2 mehrfach achtstellige Unternehmen aufgebaut.

​
​

Und wenn du dich von dem coachen lassen willst, verlangt der mindestens vierstellige Stundensätze.

​
​

Außer du bist morgen dabei, wirst ausgewählt – dann zahlst du genau: NIX.

Als Schwiegerpapa den Schreibtisch aufgebaut hat für Töchterchen, stand ich untätig daneben, eine Hand in der Hosentasche (ok, am Handy) und mit der andern hab ich manchmal die richtige Schraube gereicht, weil das ungefähr mein handwerkliches Kompetenzlevel ist.

​
​

Dabei hab ich mir gedacht, langsam wird’s ernst…

​
​

Erster eigener Schreibtisch. Ab da ist sie Schulkind.

​
​

Töchterchen kam kurz rein, hat einen schnellen Blick auf uns geworfen, „schön” gesagt und ist wieder raus.

​
​

Letzten Samstag war sie dann bei ihrer Freundin. Übernachten. Zum ersten Mal.

​
​

Ich hab gefühlt bis halb drei mit dem Handy in der Hand dagelegen und drauf gewartet, dass es klingelt, so wie damals bei Oma, als sie um kurz nach neun Panik gekriegt hat und abgeholt werden wollte.

​
​

Kam nichts.

​
​

Sie hat durchgeschlafen und mir am Sonntag erzählt, dass es keine Pommes gab, obwohl sie noch so Hunger hatten.

​
​

(als ob!)

​
​

Gestern Abend hat sie ihr Kleid rausgelegt. Hat sie selbst ausgesucht und direkt vor ihre Zimmertür gelegt.

​
​

Ich hab's weggeräumt. Weil man sowas halt wegräumt.

​
​

Lag heut früh wieder da.

​
​

Im Flur steht seit gestern Abend die Schultüte, über die ich heut um kurz nach fünf fast gestolpert wär, weil das Ding die Statur eines Feuerlöschers hat und genau da steht, wo mein rechter Fuß hinwill.

​
​

107 Zentimeter hoch. Hab ich nachgemessen, als Katti nicht geschaut hat.

​
​

Töchterchen ist kaum 10 Zentimeter größer.

​
​

Dann stand sie in der Küche, barfuß, Haare wie ein Heuhaufen. Und ich hatte mir vorher tatsächlich zurechtgelegt, was man an so einem Morgen zu seinem Kind sagt. Irgendwas Großes. Irgendwas, woran sie sich in dreißig Jahren noch erinnert oder so.

​
​

Sie dann:

​
​

„Papa, gibt's heut Nutellatoast?”

​
​

Gab Nutellatoast.

​
​

Um zehn ist die Feier in der Turnhalle. Bis dahin sitz ich hier und tu so, als würd ich arbeiten, sonst mach ich die Tüte zum dritten Mal auf und schau nach, ob wirklich alles drin ist.

​
​

Markus

​
​

PS: Das mit dem Anruf, der nicht kam, daran kau ich seit Samstag mehr rum als am heutigen Tag.

​
​

Von uns beiden war eindeutig einer schon vorher schulreif.

​
​

PPS: Falls dein Dienstag weniger aufregend ist als meiner, Reader: In SIRENE erzähl ich unter anderem, warum die Pommes da oben drinstehen mussten, obwohl es keine gab.

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